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Die WM ist gelaufen und nach 5 Stunden 6 Minuten und 17 Sekunden ist genau noch eine Minute Vorsprung zum Zweitplatzierten herausgesprungen. Aber es hat gereicht! Dirk ist erneut Weltmeister.
Hier ist sein Bericht:
Diesmal war es ganz schön knapp. Das Problem war, dass uns von unseren 14 Huskies ganz am Schluss kaum noch welche gesund geblieben waren. Susi, Alma, Anna und Angy fielen aus Altersgründen von vornherein aus. Diva musste im Januar am Knie operiert werden und Bonny bekam Anfang Februar eine Gebärmutterentzündung. Blacky verletzte sich leicht im Training und bei der Deutschen Meisterschaft zeigte sich, dass Cilly nach etwa 5 Überholmanövern keine Lust mehr hatte, an anderen Teams vorbei zu laufen. Blieben noch Cora, Berta, Cally, Carlos, Dolly und Cindy. Wobei Cindy seit Februar auf unerklärlicher Weise langsamer geworden war. Aber ich brauchte einen sechsten Hund, und wenigstens hatte sie die Strecke im Training ohne Verletzung weggesteckt. Also war Cindy trotzdem dabei.
Am ersten Tag gingen wir also um 8.32 Uhr als Erste an den Start mit der Option, Cindy am letzten Tag vielleicht rauszulassen. Es hatte getaut und geregnet und die Strecke war aufgeweicht, tief und sogar Berg runter schwer für die Hunde zu laufen. Und schon nach 3 Kilometern fing Carlos plötzlich an zu bremsen. Er war in einer Spitzkehre in den Tiefschnee gestolpert. Von da an war ihm alles was über 25 km/h ging zu schnell. Das hatte er noch nie gemacht. Er humpelte nicht und bergauf lief er wie gewohnt, deshalb blieb ich ganz ruhig und fuhr die 36 Kilometer so gut es eben ging. Vielleicht waren die anderen auch so langsam? Auf den letzten 5 Kilometern hatte uns aber Janine Eichmann, die Schweizerin, fast eingeholt. Ich konnte mich durch einen kräftezehrenden Endspurt noch einmal eine gute Minute absetzen. Allerdings kam nur die viertbeste Zeit in unserer Klasse heraus. Selbst Nina Filander aus Schweden war eine Minute schneller gewesen. Und der Vergleich mit den anderen Mittelstreckenklassen zeigte, dass nicht die anderen so stark, sondern wir einfach zu langsam waren.
Carlos hatte Schmerzen in beiden Vorderpfoten (vom Tiefschnee oder vom Bremsen) und wir liessen ihn am zweiten Renntag raus. Diesmal hatte es gefroren und der Trail (Strecke) war hart und schnell geworden. Ausserdem hatte man die Schleife mit der Spitzkehre rausgekürzt. Mit 5 Hunden und dem leichten Mut der Verzweiflung machten wir uns auf den Weg. Diesmal an dritter Stelle und 4 Minuten nach dem Führenden Ralf Neubauer aus Thüringen. Aber schon nach 15 Minuten hatten wir Janine eingeholt und nach etwa 17 Kilometern sogar Ralf. Allerdings konnte ich ihn nicht abschütteln und 3 Kilometer vorm Ziel ging er wieder vor und ich lies mich von ihm ins Ziel ziehen. Aber dadurch hatten wir nun 2 Minuten Vorsprung in der der Gesamtzeit und Janine und Nina hatten sogar 6 und 7 Minuten verloren. Mit 1 Stunde 31 Minuten und 16 Sekunden hatten wir den absoluten Streckenrekord von allen Klassen eingefahren. Das lies darauf hoffen, dass wir diesmal doch wieder zum Sieg fahren könnten.
Jetzt mussten wir den dritten Renntag nur noch ohne Zwischenfall durchstehen. Diesmal war der Startabstand auf eine Minute reduziert worden, um das Feld von 255 Startern schneller durchzubekommen. Also startete Ralf nur eine Minute nach uns. Er durfte also im Notfall überholen, aber auf keinen Fall davonfahren. Ein Kinderspiel. Aber so einfach sollte es nicht werden. Schon beim Losfahren zeigte Cindy an, dass sie heute keine Lust mehr hatte. Sie bremste genau wie Carlos vorher. Und selbst Cora, meine zuverlässigste und schnellste Leithündin aller Zeiten wollte nicht so richtig Gas geben. Ich hielt diesmal nach einem Kilometer an. Packte Cindy in den Transportsack und tauschte Cora gegen Berta aus, so dass sie in der 2. Reihe ihr eigenes Tempo gehen konnte. Dann ging es eine Viertel Stunde fast nur bergab. Wir jagten mit über 30 km/h dahin und Cindy fing schon an zu jammern, weil sie wieder mitlaufen wollte. Aber ich wartete bis zum ersten steilen Anstieg und erst da holte ich sie raus. Wir liefen den Berg hoch und erst oben drehte ich mich nach Ralf um. Natürlich hatte das Anhalten und Umspannen Zeit gekostet, aber ich hatte immer noch eine gute Minute Abstand zu Ralf und von da an lief es besser. Wir fuhren immer noch mit knapp 30 km/h die Abfahrten runter und diesmal lief Cindy mit. Ich konnte wieder Hoffen.
Als nach 21 Kilometern von Ralf immer noch nichts zu sehen war, konnte ich das erste Mal aufatmen. Wenn er uns bis jetzt nicht eingeholt hatte, würde er uns auch nicht mehr davon fahren können. Und tatsächlich kam er erst auf den allerletzten Metern heran und gemeinsam fuhren wir über die Ziellinie. Dadurch hatte er zwar eine Minute herausgeholt. Aber wir hatten noch eine Minute Gesamtzeit übrig behalten. Mit 5 Stunden 5 Minuten und 17 Sekunden wurden wir zum zweiten Mal Weltmeister über die Mittelstrecke.
Übrigens haben wir Cindy und Cora nochmal untersuchen lassen und beide hatten zu wenig rote Blutkörperchen. Vermutlich durch Parasiten, die unsere übliche Wurmkur überlebt hatten. Kein Wunder, dass sie nicht hundertprozentig fit waren.
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